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Wayan Sunarta 

Wayan Sunarta – Ein Leben für Bali und die Kunst

 

Der Schriftsteller Wayan Sunarta ist fest verwurzelt mit Bali und lädt seine Leser auf eine Reise in die Seele der Insel ein.

von Birgit Lattenkamp

 

Wayan Sunarta; Bildquelle: Agus Wiryadhi Saidi (GuZWier) 

 

In seinen Geschichten taucht immer mal wieder der langhaarige Träumer mit dem klapprigen Motorrad auf. Trifft man den Autor persönlich, lässt sich ein Schmunzeln kaum unterdrücken. Ähnlichkeiten zum Schriftsteller sind unübersehbar. Wayan Sunarta ist durch und durch Poet. Ein Vollblutschriftsteller, der außerdem malt und als Kurator Ausstellungen organisiert. Seit Jahren ist Sunarta zudem journalistisch tätig, schreibt freiberuflich für die großen indonesischen Magazine. Seine Festanstellung bei der Politzeitschrift Gatra gab er nach kurzer Zeit wieder auf. »Kreativität lässt sich nicht auf Knopfdruck erzeugen«, sagt er überzeugt. Zeit für die Verwirklichung neuer Ideen bedeutet ihm mehr als finanzielle Sicherheit.

 

Diese konsequente Entscheidung ist anscheinend die richtige gewesen. Vergangenes Jahr erschien sein Erstlingsroman Magening. Literarisch ist Sunarta allerdings schon viele Jahre erfolgreich unterwegs. Nachdem er bereits mehrere Lyrikwettbewerbe gewinnen konnte, wurde im Jahr 2005 seine erste eigene Sammlung von Kurzgeschichten veröffentlicht, für die ihm fortan auch in der Literaturgattung Prosa Anerkennung gezollt werden sollte. Cakra Punarbhawa (wörtlich: Das Rad der Wiedergeburt) ist der Titel des Buches. Und auch eine seiner Kurzgeschichten trägt diesen Namen. Sicherlich eine der ausdruckstärksten der gesamten Sammlung. In ihr wird deutlich, wie sehr der Autor in seiner balinesischen Heimat, ihrer Kultur, der hinduistischen Religion und der allgegenwärtigen Mystik verwurzelt ist. Doch Cakra Punarbhawa überzeugt nicht nur auf inhaltlicher Ebene, sondern lässt sprachlich auch Sunartas lyrische Ader erahnen. Ein melancholischer Rhythmus wiegt den Leser bis an das Ende der Geschichte. Die anderen Erzählungen fesseln vor allem durch ihre spannenden Themen, ihre tiefen Einblicke in Balis Realität. Wer hätte z.B. gedacht, dass es auf den Dörfern der Insel bis heute großes Unglück bedeutet, zweieiige Zwillinge zur Welt zu bringen? Selbst der Bombenanschlag von Kuta, der 2002 weltweit für Aufsehen gesorgt hat, wird hier noch einmal aufgearbeitet. Es lohnt sich also, die literarische Reise anzutreten. Zurzeit ist dies leider nur auf Indonesisch möglich, doch in naher Zukunft hoffentlich auch auf Deutsch.

 

In den letzten Jahren nutzt Sunarta seine lyrische Stimme mehr und mehr auch für den Schutz seiner Heimatinsel Bali. In Kooperation mit Künstlern aus dem In- und Ausland veranstaltet er Events in denen manchmal sogar Lyrik, Film oder Theater miteinander fusionieren, wodurch besonders ausdrucksstark auf die touristische Invasion und deren drastische Folgen für Balis Menschen, Natur und Umwelt aufmerksam gemacht werden kann. Momentan übernimmt er einen aktiven Part in der Bewegung »Tolak Reklamasi Bali«, die sich gegen die Pläne von privaten Investoren und deren Genehmigung durch die Regierung richtet, in der Bucht von Benoa künstliches Land zu gewinnen und dieses für einen riesigen touristischen Freizeitpark zu nutzen, mit unumkehrbaren Folgen für das Ökosystem der Insel. Kaum ein anderes Urlaubsparadies steht so sehr für lebendige Traditionen und die schönen Künste wie Wayan Sunartas Heimat Bali. Und so ist es fast selbstverständlich, dass der Autor und seine kreativen Mitstreiter genau diese zum Sprachrohr der Menschen werden lassen.

 

Wayan Sunarta; Bildquelle: Phalayasa

 

Über den Autor

 

Wayan Sunarta wurde am 22.Juni 1975 in Denpasar auf der Insel Bali geboren. Nach dem Studium der Anthropologie bildete er sich in Malerei an der ISI Denpasar (Indonesisches Institut der Künste) weiter. Anfang der 90er Jahre begann er mit dem Verfassen von Gedichten, Kurzgeschichten, Artikeln, Kunst- und Literaturkritiken.

 

Häufig erscheinen seine Texte in den lokalen und nationalen Medien wie der Zeitschrift Tempo und den Tageszeitungen, Bali Post, Kompas, The Jakarta Post und vielen mehr.

 

Bereits erschienener Roman:

Magening (Kaki Langit Kencana, 2015)

 

Bereits erschienene Kurzgeschichtensammlungen:

Cakra Purnabawa (Gramedia, 2005), Purnama di Atas Pura (Grasindo, 2005), Perempuan yang Mengawini Keris (Jalasutra, 2011).

 

Bereits erschienene Lyrikbände:

Pada Lingkar Putingmu (bukupop, 2005), Impian Usai (Kubu Sastra, 2007), Malam Cinta (bukupop, 2007), Pekarangan Tubuhku (Bejana Bandung, Juni 2010).

 

Auszeichnungen:

2001: Die Kurzgeschichte Menunggu wird von der Tageszeitung Bali Post zu einer der zehn besten Kurzgeschichten des Jahres 2001 gewählt (erschienen in der Kurzgeschichtensammlung Obituari Bagi Yang Tak Mati, Pustaka Bali Post, 2002)

2002: Für seine lyrischen Texte wird Wayan Sunarta vom Dewan Kesenian Lampung (Kunstrat der Provinz Lampung, Indonesien) der Krakatau Award verliehen

2004: Die Kurzgeschichte Cakra Punarbhawa wird von der nationalen Tageszeitung Kompas zu einer der besten Kurzgeschichten des Jahres 2004 gewählt und in die jährlich erscheinende Kurzgeschichtensammlung der Zeitung aufgenommen (Sepi pun Menari di Tepi Hari, Buku Kompas 2004)

2007 Für seinen Lyrikband Impian Usai wird Sunarta der Literaturpreis Widya Pataka vom Gouverneur der Insel Bali verliehen

 

 

 

 

 

 

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