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Kurzessay | Literaturfestivals in Indonesien

Meister des gesprochenen Wortes

 

Um die Literaturlandschaft Indonesiens intensiv und unmittelbar zu erleben begibt man sich am besten auf eines der zahlreichen lokalen Literaturfestivals – Orte lebhafter Erzählungen, der Begegnung und des kulturellen Austausches.

von Martin Jankowski 

 

Festivalplakat, gesehen im Taman Ismail Marzuki (TIM) 2013; Bildquelle: Jörg Huhmann 

 

Die populärste Form der Literaturrezeption in Indonesien ist – das Literaturfestival. Lieber noch, als Bücher zu lesen, gehen die Indonesier in großen Gruppen zu literarischen Aufführungen und Festivals, insbesondere an Feiertagen. Dabei bevorzugen sie übrigens die Rezitation von Lyrik; Poesie ist ein populäres Element des indonesischen Alltagslebens, wenn auch selten in Form von Büchern. Aber Dichter lesen zu hören und zu sehen und anschließend lange in großer Runde zu diskutieren (und ein Foto mit ihnen zu machen), das ist beliebt.

 

Es gibt Hunderte, wenn nicht Tausende lokaler Literaturfestivals überall auf den indonesischen Inseln, bei denen sich die Dichter regionaler Kulturen und Traditionen zu Feiertagen mit Musikern, Tänzern und Schauspielern zusammentun, um dem Publikum interessante Aufführungen zu bieten. Nicht nur von den regionalen Kunsträten (dewan kesenian) der Provinzen oder den zahlreichen Universitäten organisiert, auch in den großen Kulturzentren des Landes, etwa dem Taman Ismail Marzuki (TIM) oder dem Salihara in Jakarta finden jährlich mehrere Literaturfestivals statt, nicht selten auch mit internationaler Beteiligung. Literatur, das heißt in Indonesien, der Stimme der Dichter zu lauschen – vor allem, wenn es um Poesie geht.

 

Eines der legendärsten Festivals war das Puisi Internasional Indonesia, das 2002 unter der Leitung von Indonesiens großem, 2009 verstorbenen Dichter WS Rendra stattfand, und das über einhundert Lyriker aus mehr als zwanzig Ländern in verschiedenen Städten des Landes präsentierte, u.a. in Makassar (Sulawesi), Solo (Zentraljava), Bandung und Jakarta (Westjava). Die damals geknüpften Kontakte tragen bis heute Früchte, und wer damals – sei es als Zuhörer, sei es als Autor – dabei war, wird dieses international bedeutende Festival nicht vergessen. Heute ist das Ubud Writers and Readers Festival, das alljährlich im Oktober auf Bali stattfindet, international das einflussreichste Literaturfestival Indonesiens. Begründet und geleitet von der Australierin Janet de Neefe, bemüht sich dieses Festival, die Interessen westlicher Touristen und Zivilisationsflüchtlinge mit den Eigenheiten der indonesischen Literatur zu vereinen, wobei der englischsprachige Buchmarkt das Programm dieses Festivals deutlich prägt – und auch der Besuch des Festivals im Herzen der Trauminsel Bali für die meisten Indonesier unerschwinglich ist. Doch um großartige Dichterlesungen zu erleben, muss man in Indonesien nicht unbedingt nach Bali reisen – ein Besuch im örtlichen Kulturzentrum an einem der vielen indonesischen Feiertage kann einem hier zu einem unvergesslichen literarischen Performance- Erlebnis verhelfen. Denn die Poeten Indonesiens sind Meister des gesprochenen Wortes.

 

Teater Taman Ismail Marzuki (TIM); Bildquelle: Jörg Huhmann 

 

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