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Dauerausstellung in Berlin

Die »Titanic des Ostens« im Deutschen Technikmuseum in Berlin

 

Das chinesische Segelschiff Tek Sing sank auf seiner Reise nach Batavia 1822 vor der Küste Sumatras – sie nahm 2000 Passagiere und eine wertvolle Fracht mit in die Tiefe. Ein Teil dieser Ladung wurde geborgen und ist einzigartig in dieser Vollständigkeit im Deutschen Technikmuseum in Berlin ausgestellt.

von Mai Lin Tjoa-Bonatz

 

Modell einer chinesischen Hochseedschunke zur Zeit der Tek Sing.Quelle: Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin / Foto: Clemens Kirchner

Tek Sing – Schiffstragödie im 19. Jahrhundert

 

Mit dem Sinken des chinesischen Schiffes Tek Sing in Sumatras Gewässern war eine menschliche Tragödie verbunden: Sie nahm damals im Jahr 1822 rund 2000 Menschen mit in die Tiefe. Der größte zusammenhängende Teil der Sammlung dieses Segelschiffes, das Batavia (Jakarta) ansteuerte, ist seit 2003 in der Dauerausstellung des Deutschen Technikmuseums in Berlin ausgestellt.

 

Der Dreimaster aus Südchina sank in der Gaspar Straße, einer der wichtigsten aber gleichzeitig gefährlichsten Seepassagen in indonesischen Gewässern, da Riffe und Untiefen die Durchfahrt in die Java See erschweren. Zudem waren die nautischen Instrumente auf dem Schiff, wie sie im Berliner Museum gezeigt werden, nur unpräzise. Die meisten der Passagiere und das Schiffspersonal überlebten die Havarie nicht.

 

Nur 190 Personen wurden von einem englischen Schiff, das dieselbe Strecke wenige Tage später passierte, gerettet. Die Schiffbrüchigen wurden aber nicht zu ihrer Destination nach Java sondern nach Kalimantan gebracht, das das rettende Schiff, bezeichnenderweise ein Opiumschiff, ansteuerte. Die historische Forschung verdankt dem Kapitän einige Details zum Hergang des Schiffsunglücks, das ansonsten wie viele der Hunderte gesunkener Schiffe in der indonesischen See namenlos geblieben wäre. Einen Orden für seine Menschlichkeit, wie von ihm eingeklagt, hat der Opiumhändler allerdings nicht erhalten.

Wrackbergung und Funddokumentation

 

Die Tek Sing, übersetzt »Wahrer Stern«, wurde erst 1999 von dem australischen Schatzsucher Mike Hatcher entdeckt, die Fracht gehoben und auf einer Auktion im Jahr 2000 in Stuttgart mit einem großen Medienecho versteigert. Er hat den medienwirksamen Beinamen des Schiffes »Titanic« in Anlehnung an das wohl bekannteste untergegangene Schiff geprägt. Bei der kommerziellen Wrackbergung wurden nur weitgehend vollständig erhaltene und damit verkäufliche Keramiken geborgen, anderes wurde wieder achtlos ins Meer gekippt und hat damit jegliche archäologische Dokumentation unmöglich gemacht. Es wurde weder eine Funddokumentation erstellt, noch existieren genaue Angaben zur Schiffskonstruktion oder der Bergung. Das Modellschiff im Maßstab von 1:50, das im Technikmuseum ausgestellt ist, stellt eine detailreiche und zur Zeit der Tek Sing typische Hochseedschunke dar.

 

Der Ankauf von bis zu 200 Stücken aus der Stuttgarter Auktion war im Museumgremium nicht unwidersprochen, wurde aber aufgrund des neu geplanten Ausstellungsbaus und in der thematischen Verknüpfung von Kultur-, Sozial-, Wirtschafts- und Technikgeschichte dennoch befürwortet. Auch andere internationale Museen haben neben wichtigen Einrichtungshäusern auf der Aktion gekauft. Das British Museum in London oder das Asiatische Museum der Staatlichen Museen in Berlin besitzen Porzellanstücke der Tek Sing. Das Hochseeschiff war voll beladen mit einer äußerst umfangreichen Keramikladung von mehr als 350.000 Teilen, mit Gewürzen, Tee und Anderen Artefakten. Neben der keramischen Handelsware gab es andere Artikel auf dem Schiff wie Steinobjekte, die spezifisch für chinesische Abnehmer in der Hafenmetropole Batavia bestimmt waren, wie ein buddhistischer Löwe oder ein gravierter Begrüßungsstein – ein Fundstück, das mit seiner Aufschrift »Glück Gott« in diesem »nassen Grab« fast makaber anmutet. Neben Gebrauchsgütern wie Bambusmöbel, Schreibgeräte wurden Luxusgüter wie Seide, Lackwaren und Antiquitäten, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen, auf der Tek Sing verschifft. Während die porzellanene Massenware an immer wieder kehrenden Dekorskulpturen oder Geschirren – manche handgemalt, manche im Blockdruckverfahren hergestellt – eindeutig auf einen Handelsartikel verweisen, ist diese Deutung bei anderen Dingen aufgrund der fehlenden Dokumentation nicht unwidersprochen. Unterschiedliche Formen von tragbaren Öfen, der noch mit Kastanien gefüllte bronzene Röster oder einige der Opiumgeräte, die im Technikmuseum ausgestellt sind, waren wohl eher die persönliche Habe von Schiffspassagieren.

 

Teekannen von der Tek Sing; Quelle: Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin / Foto: Clemens Kirchner

 

Die Dauerausstellung im Technikmuseum in Berlin

 

Seit der Konzipierung des Ausstellungsbereichs zur Tek Sing im Deutschen Technikmuseum hat sich in der Unterwasserarchäologie in Indonesien einiges verändert. Schatzsucher und kommerzielle Wrackbergungen sind diffamiert, und es haben sich massiv kritische Stimmen gegen die fehlende Unterschutzstellung und Vermarktung des maritimen Kulturerbes in Asiens Gewässern erhoben. Diese Problematik sollte stärker in den öffentlichen Fokus gerückt werden. Frau Schuster, Leiterin für Schifffahrt und Nautik, im Deutschen Technikmuseum unterstützt eine Neukonzeption mit aktualisierten Didaktiktexten.

 

In ganz Südostasien wurde bislang kein einziges Schiff aus dem 19. Jahrhundert in dieser Vollständigkeit gehoben. Nur ein einziges Wrack, das in Indonesien entdeckt wurde, ist zusammenhängend mit all seinen Fundstücken in Singapurs Asian Civilizations Museum zu besichtigen. Auch selbst in Indonesien werden Schiffsfunde nur selten ausgestellt, zudem nicht mit multimedialer Unterstützung wie es das Berliner Museum nutzt. Auch in der sonst auf westliche Beispiele beschränkten Schifffahrtsausstellung ist dieses asiatische Thema zum Schicksal einer Hochseedschunke etwas Besonders. Die Sammlung der Tek Sing in Berlin ist daher eine einmalige Chance, diesen seltenen Fundus an maritimen Kulturgütern aus Indonesien in seiner Vollständigkeit aber auch mit ausreichend kritischem Bezug zur aktuellen Kulturgüter-Debatte publikumswirksam darzustellen.

 

Porzellan von der der Tek Sing; Quelle: Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin / Foto: Clemens Kirchner

 

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