Ausstellung im Museum der Kulturen Basel – 18.08. bis 29.09. 2026
Pop-up-Ausstellung: Verwoben, verflochten, verknüpft
Pop-up-Ausstellung »Verwoben, verflochten, verknüpft – Provenienzforschung zur Textilsammlung«; Quelle:Copyright © Museum der Kulturen Basel (MKB)
(InMaOn/JH / MKB) Textilien und ihre Herstellungstechniken bilden seit den 1940er-Jahren einen Forschungsschwerpunkt am heutigen Museum der Kulturen Basel (MKB). Um Stoffe, Techniken und Materialien systematisch zu studieren, legte das Museum eine umfangreiche Sammlung von Textilien aus aller Welt an. Die Wege, auf denen diese ins Museum gelangten, sind ebenso vielfältig wie die Textilien selbst. Auch zahlreiche Indonesienbezüge prägen die Sammlung respektive die aktuelle Pop-up-Ausstellung.
Die Textilsammlung ist ein Herzstück des Museums. Sie steht auch im Fokus der nächsten großen Ausstellung mit dem Titel »Tie-dye: gefaltet, genäht, gefärbt«. Mit der Pop-up-Ausstellung »Verwoben, verflochten, verknüpft – Provenienzforschung zur Textilsammlung« (18. August – 29. September 2026) hat das Museumsteam Provenienzforschung im Vorfeld einige Textilien unter die Lupe genommen, untersucht und gewährt einen Einblick in die Arbeit des Teams.
Anhand ausgewählter Beispiele zeigt sich, wie eng die Textilsammlung mit der Entwicklung des MKB und seinen Netzwerken verwoben ist. Gleichzeitig zeigen die Provenienzforschenden in der Ausstellung, welche Möglichkeiten die Sammlung bietet, neue Beziehungen zu knüpfen.
Die Pop-up-Ausstellung folgt einzelnen Fäden ihrer Geschichte und fragt, wie und weshalb Stoffe aus aller Welt ins Museum gelangten und wie sie mit kolonialen Kontexten verflochten sind.
Ob Spätantike Wirkereien aus Ägypten, bestickte Gebetstücher aus Afghanistan, ein Kriegshemd aus dem Sudan, Häkelspitzen aus Rumänien oder ein Ikat- Webrahmen aus Indonesien: In ihnen allen stecken spannende Geschichten und viel Geschichte (…).

Pop-up-Ausstellung »Verwoben, verflochten, verknüpft – Provenienzforschung zur Textilsammlung«; Quelle: Copyright © Museum der Kulturen Basel (MKB)
Die Pop-up-Ausstellung ist in drei verschiedene Stationen unterteilt. Da sich alles um Stoffe dreht, sind die jeweiligen Texte auf Fahnen gedruckt, die von der Decke hängen.
Es zeigen sich immer wieder auch Verbindungen zum indonesischen Archipel, wie z.B. in der ersten Station »Verwoben – Der Aufbau der Textilsammlung«.
Hier begegnen die Besucher:innen den Personen, die die Forschung vorangetrieben haben und erfahren mehr über jene Verfahren, mit den Menschen zu verschiedenen Zeiten und an unterschiedlichen Orten Stoffe herstellten, veredelten und verzierten. Techniken wie Weben, Flechten, Sticken, Stricken und Häkeln wurden bis ins kleinste Detail analysiert.
Aus Briefen, einem Reisetagebuch und exemplarischen Textilien wird mehr bekannt über Studien, Wissen und Netzwerke. Und auch, wie und warum z.B. die ausgestellten Sarongs und Tücher ins Museum gelangten.
Vor allem aus Briefen des ehemaligen Museumsdirektors Alfred Bühler erfahren die Besucher:innen, wie erpicht das Museum darauf war, Textilien zu sammeln.
Jedes neue Stück Stoff wurde in den Wissenskatalog eingeordnet und veränderte das Gewebe der Sammlung. So erkennen wir in der Sammlung vor allem Bewegung: ein fortlaufendes Verweben von Stoffen, Wissen und Beziehungen (…).

Rückengürtelwebgerät | teténuk, Region Tudameda, Roti /Rote, Indonesien | um 1935 | Holz, Baumwolle, Gebangfaser, Wasserbüffelleder | unbekannte Hersteller:innen der Rote-Gemeinschaft, auf uns unbekannte Art 1935 erworben durch Alfred Bühler, Kauf 1935 durchs Museum; Quelle: Copyright © Museum der Kulturen Basel (MKB)
Wie entstand der Textilschwerpunkt am MKB?
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Die Entstehung des Textilschwerpunkts des MKB hängt stark mit Alfred Bühler (1900–1981) zusammen. Er war ab 1938 Kurator und von 1950 bis 1964 Direktor des Museums. Ein Ausgangspunkt war seine Forschungsreise im Jahr 1935 nach Ostindonesien, unter anderem Flores, Roti und West-Timor und Rote (heute Ost-Timor und Indonesien). Dort stellte er eine grosse Sammlung von ca. 4500 Gegenständen zusammen und nahm ca. 3700 Fotografien auf. Bühlers Vorgehensweise prägte die Sammlung des Museums nachhaltig. Entscheidend war die systematische Dokumentation gesamter Herstellungsprozesse, die den Fokus auf textile Techniken etablierte.
1935 standen die von Bühler bereisten Gebiete unter kolonialer Herrschaft. Bühlers Pass dokumentiert dies durch Visa der niederländischen und portugiesischen Konsulate, die ihm die Einreise in die kolonisierten Gebiete ermöglichten Er erhielt Unterstützung von Kolonialbeamten und Missionar:innen. Gleichzeitig pflegte er Kontakte zu lokalen Herrschern. Lokale Übersetzer reisten teilweise mit ihm. Ohne diese Beziehungen wäre es Bühler kaum möglich gewesen, sich diese grosse Menge an Gegenständen anzueignen.
Bühler notierte seine Aufenthaltsorte, Begegnungen und Forschungsergebnisse in seinem Reisetagebuch. Darin liess er sich auch über Pannen und Bürokratie aus. Am 19. Mai 1935 notierte er: »Die letzten Tage beschäftigte ich mich besonders damit, eine vollständige Sammlung und einen Werdegang der Weberei und der Töpferei zusammenzubringen. Beides ist nahezu vollständig gelungen und ich hoffe, auch den Rest noch zu erhalten.« Die Aufzeichnungen geben nur wenig Kontext zum Erwerb und lassen offen, wie die Handwechsel genau abliefen.
Während seiner Forschungslaufbahn interessierte sich Bühler insbesondere für textile Färbetechniken, darunter die Ikat-Technik. Bei Ikat-Textilien werden die Fäden vor dem Färben stellenweise abgebunden, wodurch an diesen »reservierten« Stellen die Farbe vom Garn nicht aufgenommen wird. Die raffinierten Muster entstehen danach erst im Zuge des Webens.
Bühler suchte sämtliche mit der Herstellung von Ikat-Textilien verbundenen Materialien und Gegenstände, von der Baumwollpflanze bis zum fertigen Textil. Die Reise 1935 war die erste vom Museum organisierte Forschungsreise, auf der Textilien systematisch erworben und ihre Herstellungstechniken umfassend dokumentiert wurden.
Seine Wege führten ihn unter anderem in die Gegend um Kupang / West-Timor, Larantuka / Ost-Flores, Tudameda / Insel Rote / Roti (…).
Rückengürtelwebgerät | teténuk, Region Tudameda, Roti /Rote, Indonesien | um 1935 | Holz, Baumwolle, Gebangfaser, Wasserbüffelleder | unbekannte Hersteller:innen der Rote-Gemeinschaft, auf uns unbekannte Art 1935 erworben durch Alfred Bühler, Kauf 1935 durchs Museum; Quelle: Copyright © Museum der Kulturen Basel (MKB)
Webgeräte waren für die Analyse sehr interessant, da sich an den begonnenen Arbeiten Herstellungsprozesse besonders gut ablesen liessen. Im Schlussbericht für die Museumskommission schrieb Alfred Bühler: »Besonderer Wert wurde daraufgelegt, für jedes Handwerk und jede Technik möglichst vollständige Belege zu erhalten, Rohmaterialien, Werkzeuge, halbfertige Waren und fertige Produkte, sodass anschauliche Werdegänge ausgestellt werden können. Auf diese Weise sind vor allem fürs Spinnen, Färben und Weben sehr ausführliche Serien gesammelt worden.«
Die Analysen flossen in die von Alfred Bühler zusammen mit seiner Ehefrau Kristin Bühler-Oppenheim (1915–1976) verfasste Textilsystematik ein. Die Publikation beruht auf der Sammlung des St. Galler Kaufmannes und Textilkenners Fritz Iklé-Huber (1877–1946). Techniken werden darin klassifiziert, beschrieben und anhand von Skizzen und Fotografien erklärt. In den folgenden Jahren erweiterten verschiedene Museumsfachpersonen den Ansatz. Unter dem Begriff »Basler Textilsystematik« erlangte die Forschung internationale Bedeutung und gilt bis heute als Standardreferenz für die Analyse textiler Techniken.
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Die Besucher:innen können ihre persönlichen Geschichten und Beziehungen an einem Netz im Ausstellungsraum feshalten; Quelle: Copyright © Museum der Kulturen Basel (MKB)
Befragt werden auch die Besucher:innen. Ihre Antworten können sie an ein Netz in der Mitte des Ausstellungsraumes hängen. In einer Leseecke steht Literatur bereit, um sich ins Thema zu vertiefen und auf einem Bildschirm werden ihnen Nahaufnahmen der ausgestellten Textilien gezeigt. Die Ausstellung wird begleitete von einigen Veranstaltungen zum Thema.
Ausstellungsdauer | Verwoben, verflochten, verknüpft | 18. August – 29. September 2026
Öffnungszeiten | Di – So: 10.00 – 17.00 Uhr | Mo: geschlossen | Jeden ersten Mittwoch im Monat: 10.00 – 20.00 Uhr
Ausstellungsort: Museum der Kulturen Basel, Münsterplatz 20, 4051 Basel

Aussenansicht, Blick auf den Hauptbau des MKB; Quelle: Copyright © Museum der Kulturen Basel (MKB)




